Wohlfühlglück & Werteglück – Warum wir uns oft für die Anstrengung entscheiden
Kennt ihr das? Ein freier Abend liegt vor euch – eigentlich perfekt für Ruhe, ein gutes Buch oder einen gemütlichen Spaziergang. Doch dann kommt ein Anruf, ob ihr euch um jemanden kümmern könnt. Oder ihr erledigt noch offene Aufgaben, sortiert Unterlagen oder wacht nachts bei einem Angehörigen. Warum tun wir das? Warum verzichten wir freiwillig auf Wohlfühlmomente und investieren Zeit und Energie in Dinge, die uns anstrengen?
Die Antwort war mir schon länger bewusst, aber nun habe ich Worte dafür. Die Wörter habe ich in Daniela Blickhans Buch Positive Psychologie gefunden. Sie unterscheidet zwischen zwei Arten von Glück: Wohlfühlglück und Werteglück.
Was ist Positive Psychologie?
Positive Psychologie wird oft mit „Positivem Denken“ verwechselt – dabei geht es keineswegs darum, Probleme auszublenden oder sich alles schönzureden. Vielmehr beschäftigt sich Positive Psychologie wissenschaftlich mit den Faktoren, die unser Wohlbefinden langfristig stärken. Ein zentrales Konzept ist die Unterscheidung zwischen zwei Arten von Glück:
Wohlfühlglück – das angenehme Glück
Dieses Glück empfinden wir, wenn wir uns entspannen, genießen und uns wohlfühlen. Ein ruhiger Abend auf dem Sofa, eine Tasse Tee, ein Spaziergang oder Zeit mit Freunden – all das schenkt uns Wohlfühlglück. Es ist wichtig, weil es unsere Akkus wieder auflädt, Stress reduziert und uns im Moment zufrieden macht.
Werteglück – das tiefere Glück
Ganz anders fühlt sich Werteglück an. Es entsteht nicht durch Entspannung, sondern durch sinnhaftes Tun. Wenn wir nach unseren Werten handeln, wenn wir für andere da sind oder etwas schaffen, das uns wichtig ist, dann empfinden wir Werteglück. Das kann in der Familie, im Beruf oder im Ehrenamt geschehen – überall dort, wo wir etwas beitragen, was für uns Bedeutung hat.
Warum wir oft Wohlfühlglück für Werteglück opfern
Gerade pflegende Angehörige kennen das: Die Betreuung eines geliebten Menschen kann anstrengend und herausfordernd sein, aber sie entspricht oft den eigenen Werten von Fürsorge, Verantwortung und Liebe. Ähnlich geht es Eltern, die sich bewusst Zeit für ihre Kinder nehmen, obwohl es für sie manchmal bequemer wäre, sich eine Pause zu gönnen. Statt das eigene Wohlfühlglück an erste Stelle zu setzen, entscheiden sich viele für das, was ihnen auf einer tieferen Ebene wichtig ist.
Wenn nur Wohlfühlglück nicht ausreicht
Dass ein Leben voller Entspannung und Freizeit nicht automatisch glücklich macht, zeigt die Erfahrung einer Leserin, die mir schrieb: „Seit zwei Jahren bin ich in Rente. Ich habe Zeit, ich kann machen, was ich will – aber ich war nicht glücklich.“ Ihr fehlte etwas, ohne genau benennen zu können, was es war. Erst als sie ein Ehrenamt übernahm, merkte sie: Es war das Werteglück, das in ihrem Alltag fehlte. Sie fand eine neue Balance zwischen Wohlfühlmomenten und dem sinnvollen Tun, das ihr wieder Erfüllung gab.
Die richtige Balance finden
Beide Formen des Glücks sind wichtig. Wer nur Wohlfühlglück sucht, kann auf Dauer unzufrieden werden. Wer hingegen ständig nach Werteglück strebt und sich kaum Pausen gönnt, läuft Gefahr, sich zu erschöpfen.
Es lohnt sich, bewusst zu hinterfragen:
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Wann brauche ich mehr Wohlfühlglück? Was kann ich tun, um mir bewusst Momente der Entspannung und des Genusses zu gönnen?
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Wo fehlt mir Werteglück? Gibt es etwas, das ich tun kann, um meine Werte mehr zu leben – sei es in der Familie, im Beruf oder durch ein Ehrenamt?
Die Kunst liegt in der Balance. Denn ein erfülltes Leben braucht beides.
Wo stehst du gerade?
Wie sieht es bei dir aus? Wovon hast du im Moment mehr – Wohlfühlglück oder Werteglück? Und wie sorgst du für deine Balance?
Wenn du dabei Unterstützung brauchst oder dir mehr Klarheit über deine eigenen Werte und Bedürfnisse wünschst, melde dich gerne bei mir. Ich begleite dich auf deinem Weg!
Fühl Dich fest umarmt (wenn Du magst und das gerade gebrauchen kannst).
Deine
Silke