Ein Blick in den Pflegealltag: Zwischen Herausforderungen und ungenutztem Potenzial

Letztens fand ich mich auf Anfrage einer Angehörigen in einem geschützten Bereich einer Demenzstation wieder und hatte die Gelegenheit, die Situation als Außenstehende auf mich wirken zu lassen. Ein Schild an der Tür kündigte an, dass aufgrund von Krankheit Beschäftigungsangebote ausfielen. Die dünn besetzte Personaldecke ließ Menschen in verschiedenen Demenzstadien an diesem Tag über längere Strecken sich selbst überlassen. Ich gehe davon aus, dass dies nicht nur eine Momentaufnahme war und so oder anders, Land auf, Land ab, in der häuslichen Begleitung von Menschen mit Demenz, in Einrichtungen der Pflege sowie in Krankenhäusern die Realität ist. Diese Beobachtungen brachten mich zum Nachdenken über die Herausforderungen, aber auch das ungenutzte Potenzial in der Pflege.

Es wäre zu einfach, jemandem die Schuld zuzuweisen. Die Not des Personals, die Sorgen der Angehörigen und die ausweglose Situation der Bewohner:innen, für die diese Einrichtung das letzte Zuhause ist, sind greifbar.

Und je nachdem, wer mein Coaching anfragt, kann ich die jeweilige Perspektive nachvollziehen.

Doch wie können wir wirklich etwas ändern? Die Antwort liegt nach meinen Erkenntnissen in einem radikalen Umdenken, in dem wir die Menschen konsequent in den Mittelpunkt unseres Handelns stellen. Denn die Argumente von kein Geld und keine Zeit – sind nachvollziehbar, aber darauf dürfen wir uns nicht zurückziehen. Denn, wie Albert Einstein schon sagte:

„Wer immer das Gleiche tut und ein anderes Ergebnis erwartet, ist wahnsinnig!“

Ein erster Schritt, der nicht mehr Zeit und Geld kostet, ist der ECHTE Kontakt mit den Menschen. Und das meine ich in allen Bereichen des Lebens, aber speziell natürlich in der Begleitung von Menschen mit Demenz. Das Gespräch, die liebevolle Zuwendung und die Anerkennung der individuellen Gefühle und Ressourcen sind essentiell – und auch hier meine ich wieder alle Beteiligten. Es hilft nichts, die Pflege- und Betreuungskräfte zu schulen, komplexe Informationen und noch mehr Vorschriften zu verhängen, wenn man dann keinen Rahmen schafft, das Gelernte umzusetzen. Es geht nicht darum, den Menschen vorzuschreiben, wie sie es „richtig“ machen sollten, sondern sie in ihrer Intuition zu bestärken. Wir haben einen Expertenstandard „Beziehungsgestaltung in der Pflege“ und schaffen es in vielen Bereichen nicht, das kleine Einmaleins des Miteinanders umzusetzen.

In der Pflege und Betreuung schlummert ein erhebliches Potenzial, das meiner Meinung nach oft ungenutzt bleibt.

Die Intuition zu stärken, bedeutet für mich, dass wir Pflege, Betreuung und Beschäftigung nicht voneinander trennen, sondern die Bedürfnisse der Menschen in den Fokus rücken, mit ihrer individuellen Lebensgeschichte. Wir müssen die Menschen, die in der Begleitung von Menschen mit Demenz (tätig) sind, befähigen, mit den eigenen Gefühlen umzugehen. Nur so können wir die Empathiefähigkeit erhalten, die sich unten den genannten Rahmenbedingungen erschöpft.

In den letzten Tagen habe ich ein Buch von Naomi Feil über das Thema Validation gelesen. Der Titel des Buches lautet: „Validation in Anwendung und Beispielen“. Validation basiert nach Feil auf einer Haltung, die Menschen mit Demenz Respekt und Einfühlung entgegenbringt. Die Vorteile für professionell Pflegende beschreibt sie wie folgt: – Frustration verhindern bzw. abbauen, – Burnoutgefühle verhindern, – die Freude an Kommunikation entfachen, – Zufriedenheit durch die Arbeit bzw. mit ihr erhöhen.

Eine erste Maßnahme, die Feil in der Validationstechnik beschreibt, ist das „sich zentrieren“.

Deswegen plädiere für eine achtsamkeitsbasierte Demenzbegleitung und setze mich dafür ein, dass wir ein Umfeld schaffen, in dem alle am Prozess beteiligten Personen wieder leben und nicht nur „überleben“.

Wenn Sie als Angehörige, in Einrichtungen der Pflege und/oder als professionell pflegende Person Unterstützung benötigen, dann melden Sie sich gerne für ein ganz persönliches Coaching.

Nachdenklich Ihre

Silke Steinke

 

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